Meine Frau und ich nutzen Immich seit mehr als einem Jahr als vollwertigen Ersatz für Google Fotos. Anfangs skeptisch, mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Die Fotos liegen bei uns, die App funktioniert genauso gut wie Googles, und seit über zwölf Monaten gab es keinen einzigen Datenverlust.
Was ist Immich?
Immich ist eine Open-Source-Fotos-App, die die Google Fotos-Erfahrung nachbildet: Automatisches Hochladen vom Handy, Gesichtserkennung, Kartendarstellung, Suchfunktion und geteilte Alben. Die Fotos liegen auf dem eigenen Server, synchronisieren sich zwischen den Geräten und sehen auf dem Handy aus wie Google Fotos.
# Docker-Compose (gekürzt)
git clone https://github.com/immich-app/immich.git
cd immich/docker
cp .env.example .env
docker compose up -d
Die wichtigsten Variablen in der .env:
UPLOAD_LOCATION=/mnt/immich/photos
IMMICH_VERSION=release
DB_PASSWORD=secure-password
Nach dem Start erreichst du das Web-UI unter http://. Die Handy-App (iOS/Android) verbindet sich mit dem Server und legt los.
Warum wir von Google Fotos weg sind
Google Fotos war bequem. Unendlich Speicher (komprimiert), automatischer Upload, Suchfunktion, die funktioniert hat. Aber:
- Die Fotos gehören Google. Bei einem Account-Sperre sind sie weg.
- Die Komprimierung frisst Qualität. Originalqualität kostet Speicher.
- Die Suchfunktion ist eine Black Box. Man weiß nie, was damit passiert.
- Die Daten liegen in den USA. Für Familienfotos ein komisches Gefühl.
Immich löst das alles: Volle Kontrolle, Originalqualität, eigener Server, kein Abo.
Was nach einem Jahr funktioniert
Automatischer Upload
Die Handy-App lädt neue Fotos automatisch hoch – genau wie Google Fotos. Hintergrund-Upload, WLAN-Priorität, mobil optional. Nach einem Jahr haben wir keine einzige verpasste Synchronisation.
Gesichtserkennung
Immich erkennt Gesichter und gruppiert sie – die KI läuft komplett lokal auf dem Server, keine Daten fließen nach außen. Nach dem ersten Jahr haben sich die Alben von "unbekannt" zu klaren Namen gewandelt. Die Gesichtserkennung ist nicht ganz so gut wie bei Google, aber für den Privatgebrauch absolut ausreichend.
Kartendarstellung
Fotos werden automatisch auf einer Karte angezeigt, wenn sie GPS-Daten haben. Die Karte nutzt OpenStreetMap – kein Google Maps nötig.
Geteilte Alben
Meine Frau und ich teilen uns Alben. Jeder kann Fotos beitragen, jeder sieht alles. Die Berechtigungen sind einfach: Entweder man hat Zugriff auf das gesamte Album oder nicht.
Die App
Die Immich-App sieht aus wie Google Fotos. Swipe, Tap, Zoom – alles gewohnt. Die Suche funktioniert nach Datum, Ort, Gesicht und sogar nach Objekten ("Hund", "Baum", "Auto").
Vergleich: Immich vs. Google Fotos vs. PhotoPrism
| Kriterium | Immich | Google Fotos | PhotoPrism |
|---|---|---|---|
| Speicherort | Eigener Server | Google-Server | Eigener Server |
| Preis | 0 € + Server | 0 € (oder 2 €/Monat) | 0 € + Server |
| Automatischer Upload | Ja | Ja | Ja (experimental) |
| Gesichtserkennung | Ja | Ja | Ja |
| Kartendarstellung | Ja | Ja | Ja |
| Geteilte Alben | Ja | Ja | Ja |
| Mobile App | Exzellent | Exzellent | Okay |
| Performance | Sehr gut | Exzellent | Gut |
| Updates | Wöchentlich | Automatisch | Monatlich |
Immich ist das einzige Open-Source-Tool, das an die Benutzerfreundlichkeit von Google Fotos herankommt. PhotoPrism ist ebenfalls gut, aber die App ist nicht so ausgereift.
Der Server
Immich braucht etwas mehr Ressourcen als andere Self-Hosting-Lösungen:
# Mindestanforderungen
CPU: 4 Kerne
RAM: 8 GB (wegen Machine Learning)
Festplatte: beliebig (je nach Fotosammlung)
Das Machine-Learning-Modell für Gesichtserkennung und Objekterkennung braucht RAM. Auf einem schwachen Server mit 2 GB wird es langsam. Aber auf einem normalen Homeserver mit 8+ GB läuft es flüssig.
Mein Setup:
| Komponente | Ressource |
|---|---|
| CPU | 4 Kerne |
| RAM | 8 GB |
| Festplatte | 500 GB NVMe |
| Laufzeit | Incus-LXC (Debian) |
| Docker | Ja (Compose) |
| Reverse Proxy | Caddy |
| Backup | Restic (täglich) |
Der Clou: Multi-User
Immich unterstützt mehrere Benutzer. Jeder hat seinen eigenen Account, seine eigene Bibliothek, aber man kann Alben teilen. Das ist für Paare oder Familien ideal:
- Jeder hat seinen Upload – keine vermischten Fotos
- Geteilte Alben – für gemeinsame Ereignisse
- Gemeinsame Suche – man sieht auch die Fotos des anderen (wenn
man will)
Was Immich nicht kann
- Kein Social-Sharing – keine öffentlichen Alben wie bei Google
- Kein Foto-Print-Service – kein Bestellen von Abzügen
Das sind Features, die wir nicht vermissen. Wer einen Foto-Print-Service braucht, kann das über Drittanbieter lösen.
Fazit
Nach über einem Jahr kann ich sagen: Immich ist der Google-Fotos-Ersatz, den es gebraucht hat. Die App ist gut genug, dass meine Frau sie tagtäglich ohne Nachfragen nutzt – und das ist der beste Test. Kein "warum geht das nicht?", kein "zeig mal wie das funktioniert".
Unsere Fotos liegen auf unserem Server. Kein Konzern hat Zugriff, kein Abo läuft im Hintergrund, kein Algorithmus entscheidet, was wir zu sehen bekommen. Wenn morgen Google den Dienst einstellt, gehen unsere Erinnerungen nicht verloren. Wenn ein Account gesperrt wird, sind die Fotos noch da.
Das war es mir wert: Eine Stunde Einrichtung, ein Mini-PC unter dem Schreibtisch, und die Gewissheit, dass unsere Fotos uns gehören. Nicht Google. Nicht Apple. Nicht irgendein Cloud-Dienst, der morgen verschwinden könnte. Unsere Fotos, unser Server, unsere Entscheidung.
