Oracle bietet in seinem Free Tier eine ganze Menge Cloud-Ressourcen kostenlos an: ARM-Instanzen mit bis zu 12 GB RAM, AMD-Instanzen, Object Storage, Datenbanken. Das klingt zu gut, um wahr zu sein – und ist es teilweise auch. Denn Oracle ändert die Konditionen gerne mal, und dann können aus kostenlosen Ressourcen plötzlich hohe Kosten werden.
Warum Oracle Free Tier trotzdem nützlich ist
Für mich sind die Oracle-Instanzen vor allem eines: temporär. Wenn ich Incus-Instanzen von einem Server auf einen anderen migriere oder meinen Server mal komplett neu aufsetzen möchte und meine Services temporär woanders hinschieben muss, brauche ich kurzfristig einen Zwischenspeicher. Das kostet nichts, solange man innerhalb der Free-Tier-Limits bleibt.
# Incus-Backup auf Oracle-Instanz laden
incus export mein-container backup.tar.gz
scp backup.tar.gz oracle@<ip>:/tmp/
Oder noch elegenter, incus drauf installieren und die Instanz einfach rüberkopieren.
# Incus-Instanz kopieren
incus copy mein-server:mein-container mein-container
Aber dauerhaft würde ich dort nichts betreiben. Zu unsicher.
Was drin ist
Der Oracle Free Tier umfasst:
- 2 ARM-Instanzen mit bis zu 12 GB RAM und 4 OCPUs (Ampere A1)
- 2 AMD-Instanzen mit 1 GB RAM (E3, Always Free)
- 200 GB Block Storage
- 10 GB Object Storage
- 2 Datenbanken (Autonomous Database)
- Load Balancer, Monitoring, Logging
Das klingt viel. Und ist es auch – für ein paar Monate. Dann kann sich das Bild ändern.
Das Problem: Oracle ändert die Regeln
Oracle hat in der Vergangenheit bereits die Konditionen für Free-Tier- Nutzer angepasst. Ein Beispiel: Die ARM-Instanzen (Ampere A1) waren ursprünglich mit 24 GB RAM und 4 OCPUs verfügbar. Mittlerweile sind es nur noch 12 GB RAM und 2 OCPUs. Wer mit den alten Werten kalkuliert hatte, stand plötzlich da.
Ob Oracle dabei Bestandskunden zur Kasse gebeten hat, ist mir nicht bekannt, aber es gibt Berichte von Leuten, die unwissentlich hohe Kosten verursacht haben, indem sie die Limits überschritten haben. Die Reduzierung der Ressourcen zeigt: Man kann sich nicht darauf verlassen, dass die Free-Tier-Konditionen dauerhaft gleich bleiben. Wer mehr braucht als das, was Oracle kostenlos anbietet, sollte kalkulieren, ob die Kosten im Ernstfall tragbar sind und vor allem mit anderen Anbietern vergleichen.
Wofür es sich eignet
Temporäre Server
- Incus-Instanzen zwischenparken
- Build-Server für kurze Projekte
- Testumgebungen, die nur ein paar Tage leben
- SSH-Tunnel für temporären Zugriff
Lernprojekte
- Kubernetes ausprobieren (OCIs eigenes Angebot)
- Datenbanken testen
- CI/CD-Pipelines aufsetzen
Notfall-Backup
- Einmaliges Backup eines Servers
- Kopie wichtiger Daten als Notlager
Wofür es sich nicht eignet
- Produktive Server: Zu unsicher, Oracle kann die Konditionen
- Dauerhafte Dienste: Wer einen Blog, Mailserver oder NAS dort
- Speicherintensive Anwendungen: 12 GB RAM klingt viel, aber
jederzeit ändern laufen lässt, ist bei Änderungen aufgeschmissen wer mehr braucht, zahlt schnell drauf
Wie man es richtig nutzt
- Nichts Dauerhaftes draufsetzen. Alles, was dort läuft, muss
- Keine sensiblen Daten. Object Storage ist verschlüsselt, aber
- Limits im Blick behalten. Wer ARM-Ressourcen voll ausreizt
- Ausstiegsplan haben. Wohin migrieren, wenn Oracle die
jederzeit ersetzbar sein. die Datenhoheit liegt bei Oracle. und Oracle die dann kürzt, hat ein Problem. Konditionen ändert?
Rechnerische Betrachtung
Ein ARM64-Ampere-A1 mit 12 GB RAM und 2 OCPUs kostet bei Oracle im Free Tier nichts. Beim Wettbewerb (Hetzner, Contabo, etc.) bekäme man dafür:
| Anbieter | Preis/Monat | RAM | CPU | Speicher |
|---|---|---|---|---|
| Oracle Free Tier | 0 € | 12 GB | 2 OCPUs | 100 GB |
| Hetzner CX32 | 8 € | 8 GB | 4 vCPUs | 80 GB |
| Contabo VPS S | 6 € | 8 GB | 4 vCPUs | 50 GB |
0 € klingt gut. Aber wenn Oracle die Konditionen ändert, muss man umziehen – und dann kostet es plötzlich Geld. Die Frage ist nur: Kann man mit der Warnzeit umgehen?
Fazit
Oracle Free Tier ist ein praktisches Werkzeug für temporäre Aufgaben. Incus-Backups zwischenparken, schnell einen Server aufsetzen, etwas testen – dafür ist es ideal. Aber man sollte sich nicht darauf verlassen, dass die Konditionen dauerhaft gleich bleiben.
Mein Rat: Nutzt es, aber plant einen Ausstieg. Alles, was dort läuft, muss jederzeit auf einen anderen Server wechseln können. Wer dauerhaft Cloud-Ressourcen braucht, ist mit einem normalen VPS (Contabo, Hetzner, etc.) besser beraten – dort weiß man, was man hat.
