Backups sind langweilig – bis man sie braucht. Restic macht sie erträglich. Ein Binary, kein Server, keine Runtime, kein Python, kein pip install. Einmal restic init, dann restic backup und fertig.
Was ist Restic?
Restic ist ein 2014 gestartetes, in Go geschriebenes Backup-Programm (BSD 2-Clause). Es verschlüsselt, dedupliziert und komprimiert Daten clientseitig und schreibt sie in unveränderliche Snapshots. Version 0.19.0 erschien im Juni 2026, das Projekt hat 34.600 GitHub-Sterne, über 400 Contributors und läuft auf Linux, macOS, Windows, FreeBSD und OpenBSD.
Restic vs. BorgBackup
Borg ist der größte Konkurrent und der traditionelle Favorit der Linux-Server-Szene. Der Fork von Attic (2015) ist in Python + C geschrieben, hat 13.400 Sterne und eine extrem aktive Community.
| Kriterium | Restic | BorgBackup |
|---|---|---|
| Sprache | Go (ein Binary) | Python + C |
| Installation | Ein statisches Binary | pip / Paketmanager |
| Zielplattformen | Linux, macOS, Windows, FreeBSD, OpenBSD | Linux, macOS (Windows nur via WSL) |
| Storage (nativ) | Lokal, SFTP, S3, B2, Azure, GCS, REST, rclone (50+) | Lokal, SFTP/SSH |
| Kompression | zstd (seit v0.16) | lz4, zstd, zlib, lzma |
| Verschlüsselung | AES-256-CTR + Poly1305 (immer an) | AES-256-CTR + HMAC-SHA256 (optional) |
| Append-Only | via rest-server | nativ (SSH) |
| Multi-Client | Ja (ein Repository, viele Clients) | Eingeschränkt |
| Backup-Geschwindigkeit | ~120–160 MB/s | ~180–220 MB/s |
| RAM (typisch) | 100–200 MB | 50–150 MB |
| Repo-Größe | Referenz | 10–30 % kleiner |
Borg ist besser, wenn: du reine Linux-Umgebungen mit SSH-Backend betreibst, maximale Speichereffizienz brauchst oder Append-Only als Ransomware-Schutz nutzen willst.
Restic ist besser, wenn: du gemischte OS-Umgebungen hast, direkt in Cloud-Backends (S3, B2, Azure, GCS) sichern willst, oder einfach kein Bock auf Dependency-Management hast.
Andere Tools im Überblick
Kopia
Go-basiert (2019), CLI + integrierte Web-GUI – kein Cron nötig. Unterstützt S3, B2, GCS, Azure, WebDAV, SFTP. Schneller beim Erstbackup (4,65 s vs. 8,10 s), aber höherer RAM-Verbrauch (176 MB). Hat einen eingebauten Repository-Server. Weniger Backends und kleinere Community als Restic.
Duplicati
.NET-basiert (2008), GUI-first mit Web-Oberfläche. Läuft auf Windows, macOS, Linux. Deduplizierung + AES-256. In der Vergangenheit Stabilitätsprobleme – für Server eher nicht meine Empfehlung.
Rclone
"Rsync für die Cloud" – synchronisiert zu 50+ Backends, aber kein Snapshot-Konzept, keine native Deduplizierung. Oder als Transport-Tool für Restic (rclone-Backend) – das ist *die* Killerkombination.
Duplicity
Python-basiert (2002), GPG-Verschlüsselung, librsync. Kein echtes Snapshot-Konzept, kein Content-defined Chunking. Wird zunehmend von Restic und Kopia abgelöst.
Bacula / Bareos
Enterprise: Client-Server mit Katalog-Datenbank, Tape-Support, komplexe Richtlinien. Overkill für den Homeserver.
Warum Restic?
Drei Gründe:
1. Ein Binary
restic ist eine statisch gelinkte Go-Binary. Kein Python, kein pip, kein apt install python3-xyz. Download, chmod +x, los. Borg braucht Python + C-Extensions, unter Windows nur via WSL. Restic läuft nativ auf allen Plattformen.
2. Backends ohne Ende
Restic unterstützt nativ: Lokal, SFTP, S3 (AWS, MinIO, Wasabi, …), Backblaze B2, Azure Blob, Google Cloud Storage, OpenStack Swift, REST-Server – und via rclone-Backend 50+ weitere Dienste. Borg kann nativ nur lokal und SSH. Für Cloud-Backends braucht Borg einen Umweg.
Ich sichere mit demselben Binary auf Wasabi (S3), eine lokale USB-Platte und per SFTP auf einen Hetzner-Server – gleicher Befehl, gleiche Config.
3. Snapshots + Multi-Client
Jeder Backup-Lauf erzeugt einen immutablen Snapshot. Mehrere Rechner können gleichzeitig in dasselbe Repository schreiben. Version 0.19.0 brachte zstd-Kompression (fastest/better), schnellere Index-Ladezeiten, bessere Ownership-Restores und saubere Exit-Codes für Scripting.
Fazit
Restic ist der einfachste Einstieg in verschlüsselte, deduplizierte Backups. Wer SSH-Backends bevorzugt, fährt auch mit Borg + Borgmatic gut. Für gemischte Umgebungen, Cloud-Backups und alle, die kein Wartungsdrama wollen, ist Restic 2026 der Standard.
